Zeit füreinander finden, wenn das Leben immer voller wird.

von Nicky und Sila Lee, Autoren des Ehe-Kurses

Es gibt Phasen, in denen das Leben nicht nur hektisch, sondern völlig überladen ist: Die Arbeit dehnt sich über die üblichen Arbeitszeiten hinaus aus. Die Abende vergehen mit Hausarbeit, Papierkram und anderen Erledigungen, Zeit mit den Kindern und kurzen Momenten der Erholung. Auch die Wochenenden sind schnell verplant. Und ohne es richtig zu merken, wird die wertvolle gemeinsame Zeit als Paar in die verbleibende Zeit gequetscht. Nicht, weil wir sie nicht mehr wertschätzen, sondern weil uns einfach die Energie dafür fehlt.

Nach einem langen Tag ist es am einfachsten, nebeneinander zu sitzen und jeder scrollt durchs Internet, schaut eine Serie oder schaltet auf andere Weise gedanklich ab. Wir sind zwar zusammen in einem Raum, aber nicht wirklich beieinander. Doch gerade in diesen intensiven Lebensphasen ist es wichtig, als Paar gut miteinander verbunden zu bleiben!  

Wenn das Leben hektischer wird, brauchen wir nicht unbedingt mehr Zeit, sondern müssen die Zeit, die uns zu zweit zur Verfügung steht, bewusster nutzen.

Das könnte bedeuten, sich am Ende jeden Tages bewusst einige Minuten Zeit füreinander zu nehmen und den Partner zu fragen: „Wie geht es dir heute?“  – und dann aufmerksam zuzuhören. Oder sich anzugewöhnen, morgens gemeinsam zumindest einen Kaffee zu trinken, auch wenn um uns herum hektisch ist. Oder einen anderen alltäglichen Moment – beim Kochen oder im Auto – zu einem gemeinsamen Erlebnis zu machen, indem man die Handys aus der Hand legt und dem anderen einen Moment der ungeteilten Aufmerksamkeit schenkt. Diese Momente mögen unbedeutend erscheinen, aber genau hier wird unser inneres Band leise wachsen

  • Ein kurzer Moment der Stille im Türrahmen.
    Bevor ihr in eure Abendroutine startet, nehmt euch genügend Zeit für eine herzliche Begrüßung oder eine Umarmung. Das signalisiert: Du bist mir wichtig und ich möchte dir nahe sein, auch in der Hektik.
  • Die ersten zehn Minuten vom Feierabend –
    ob nach der Arbeit oder wenn die Kinder im Bett sind – solltet ihr nicht mit dem Checken der Nachrichten auf dem Handy oder anderen Aufgaben füllen. Setzt euch zuerst zusammen und erzählt euch gegenseitig, wie euer Tag gewesen ist.
  • Ein gemeinsamer Start in den Tag:
    Nehmt euch ein paar Minuten Zeit für ein gemeinsames Frühstück oder zumindest einen Kaffee, bevor der Tag richtig beginnt. Es muss nicht lange dauern und wird euer Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.
  • Routinen verbinden:
    Kochen, Aufräumen, Wäsche zusammenlegen – wir können diese Aufgaben nebeneinanderher erledigen oder sie als Chance sehen, gemeinsam Zeit zu verbringen. Wenn wir dabei auf andere Ablenkung verzichten, gewinnen wir Raum für ungezwungene Gespräche.
  • Das „handyfreie“ Zeitfenster:
    Findet für jeden Tag ein kurzes Zeitfenster – selbst 15 Minuten genügen –, in dem die Handys außer Sichtweite sind. Nicht als Regel, sondern als Geschenk für den anderen. 
  • Das Auto als Treffpunkt:
    Selbst kurze gemeinsame Fahrten können eine gute Gelegenheit für ungestörte Gespräche werden. Kein Augenkontakt nötig, kein Druck – die Unterhaltung fließt einfach leichter.
  • Eine kurze Nachricht, die über praktische Absprachen hinausgeht:  
    Mitten im hektischen Alltag kann ein einfaches „Ich denke an dich! “ oder „Wie geht es dir gerade? “ einen persönlichen Ton in den Alltag bringen.
  • Etwas länger verweilen
    Am Ende eines Gesprächs, einer Mahlzeit oder am Ende des Tages könnt ihr euch bewusst dafür entscheiden, noch ein paar Minuten länger im Moment zu bleiben.
  • Wenn eure Rhythmen nicht zusammenpassen
    Für manche Paare liegt die Schwierigkeit nicht nur in der Hektik des Alltags, sondern in unterschiedlichen Bedürfnissen. Einer kommt vielleicht nach Hause und möchte sich unterhalten, während der andere Zeit zum Entspannen braucht. Einer ist morgens voller Energie, der andere erst spät abends. In solchen Fällen bedeutet Zeit füreinander zu finden, den jeweiligen Rhythmus des Partners kennenzulernen und einen gemeinsamen Nenner zu finden, auch wenn das etwas Planung und Rücksichtnahme erfordert.
  • Störquellen minimieren
    Es lohnt sich, darauf zu achten, was eurer Beziehung schaden kann. Medienkonsum wie Streaming, Internet, Social Media und Spiele sind eine bequeme Option, denn sie versprechen uns Erholung, doch leider führen sie auch oft dazu, dass wir uns innerlich voneinander entfernen. Es kann schwer sein, die Zeit dafür bewusst zu begrenzen. Doch es schafft Raum für etwas Schöneres: Für mehr gemeinsame Erlebnisse, Gespräche und Lachen oder um einfach das ungestörte Zusammensein zu genießen.

Niemand muss darin perfekt sein, doch sich solche Zeitinseln für Zweisamkeit zu schaffen, kann gerade in stressigen Zeiten sehr helfen. Es wird auch Tage geben, in denen uns alles über den Kopf wächst und wir nicht alles richtig machen werden. Doch gerade diese kleinen bewussten Entscheidungen werden auf Dauer einen Unterschied machen und können sehr zur Qualität einer Beziehung beitragen. Es geht weniger um die ganz großen Gesten, sondern um die kleinen Dinge: Sich bewusst in die Augen schauen, eine Umarmung, nachfragen und zuhören, nicht gleich wieder aufspringen, sondern noch einen Moment länger für den anderen da sein.
Viele dieser Gelegenheiten ziehen so schnell an uns vorbei! Doch die Summe dieser kleinen Entscheidungen im Alltag wird eure Beziehung auf Dauer schützen und vertiefen.

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